Die Solinger Kotten

So wie die Zechen über Jahrzehnte die Industrie im Ruhrgebiet prägten, liegt die Wiege der deutschen Schneidwarenindustrie in den berühmten Solinger Kotten. Ein Kotten bezeichnet in Solingen nicht wie sonst üblich eine kleine Bauernbehausung (Kate), sondern eine Schleiferwerkstatt, in der seit dem späten 14. Jahrhundert die weltweit bekannten Solinger Schneidwaren produziert wurden. Über mehrere Jahrhunderte bestimmten die Kotten das Arbeits- und Alltagsleben in Solingen. Gebaut wurden die Kotten überall dort, wo die Natur Bäche und Flüsse bot. Mit Hilfe der Fließkraft wurden so die Blasebälge, Schmiedehämmer und Schleifsteine in Bewegung gesetzt. In der Blütezeit der Solinger Kotten Ende des 17. Jahrhundert zählte die Region etwa hunderte von ihnen. Die Arbeitsbedingungen in den Kotten waren der Zeit entsprechend hart. Staub, Hitze und Krach, die oft gebückte Haltung und schweren Lasten standen an der Tagesordnung und das 10-12 Stunden am Tag und in 6 Tagen der Woche. Mit der Industrialisierung und der Erfindung der Dampfmaschinen und der Elektromotoren endete die Ära der meisten Solinger Kotten. 

Schleifermuseum Balkhauser Kotten

Balkhauser Kotten 2

42659 Solingen

 

Öffnungszeiten

Dienstag - Sonntag 10.00 - 17.00 Uhr

 

www.balkhauser-kotten.de oder auf Facebook

 

Schleiferei Wipperkotten

Wipperkotten 2

42699 Solingen

 

Öffnungszeiten

April - Oktober jeden 1. und 3. Sonntag 14.00 - 16.00 Uhr

 

www.wipperkotten.com

Einzig die zwei letzten verbleibenden Kotten, der Balkhauserkotten und Wipperkotten, bieten heute noch eine Zeitreise in die geschichtsträchtige Vergangenheit des Solinger Schleiferhandwerks. Zwei einzigartige Biotope der Solinger Industriegeschichte, die heute als Museum zu besichtigen sind.

Der Balkhauser Kotten

Der Balkhauser Kotten blickt auf eine ereignisreiche Geschichte. Gleich mehrmals wurde die Existenz des Kotten durch schwere Schicksalsschläge bedroht. So beim Hochwasser von 1952 oder den Bränden von 1830, 1854 und zuletzt 1969. Doch resigniert wurde nie. Immer wieder wurde der Kotten mühsam neu ausgebaut. Zuletzt in den Jahren 1969-1972 durch den Architekt Wilhelm Klein und die finanziellen Unterstützung der Stadt Solingen. Seither ist der um 1600 erbaute Kotten am Fuße des Pfaffenbergs ein Museum, welches einen einmaligen Einblick in die Welt der Schleifer der früheren Jahrhunderte bietet. 

Quelle: RB-Fotos

Der Wipperkotten

Der Wipperkotten ist die letzte weitestgehend original erhaltende Doppelkottenanlage in Solingen. Benannt ist der im 17 Jahrhundert erbaute Kotten nach der benachbarten Hofschaft Wippe und liegt idyllisch an der Mündung vom Weinsberger Bach und Wupper. Die eindrucksvolle Anlage wird heute in Zusammenarbeit des Fördervereins Schleiferei Wipperkotten e.V. und dem LVR-Industriemuseum betrieben. In die Schleiferei werden noch heute durch Heimarbeiter Messer wie einst geschliffen. Beistehende Dokumentationen erzählen die Geschichte des Kotten und des Schleiferberufs

Quelle: www.wipperkotten.com