Schneidwaren und Solingen bilden eine unauflösliche Einheit. In der ganzen Welt sind Messer aus Solingen gefragt und Merkmal einzigartiger Qualität. Ein Weltruf der hart erarbeitet werden musste und auf eine über 700 Jahre andauernde Geschichte blickt. Die Erzeugung von Schneidwaren im heutigen Solinger Stadtgebiet ist älter als die Stadt Solingen, die ihre Stadtrechte im Jahr 1374 erhielt. Begonnen mit der Herstellung von Schwertern, lassen sich die Anfänge der Schneidwarenindustrie bin ins Jahr 1250 nachweisen. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich aus dem Schwertmacherhandwerk ein breit gefächertes Schneidwarenhandwerk. Im Jahr 1571 findet die Zunft der Messermacher erstmalig ihre Erwähnung. Es folgen Ende des 17. Jahrhunderts die Zünfte der Scheren- und Besteckfertigung. Begünstigt wurde das Handwerk durch die reichhaltigen Wasser-, Wald- und Erzvorkommen der Region. Die Nähe zum damals wichtigen Handelsknoten Köln ermöglichte die überregionale Verbreitung Solinger Schneidwaren. 

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war die Produktion rein handwerklich organisiert. In kleinen Schmiedewerkstätten, den so genannten „Kotten“, würde der aufbereitete Stahl zu Messern und Klingen weiterverarbeitet. Zeitweise wurden bis zu 100 solcher Kotten im Solinger Stadtgebiet gezählt. Mit der industriellen Revolution sank die Bedeutung der mit Hilfe von Wasserkraft betriebenen Schleifkotten. Von Dampfmaschinen angetriebene Hammerwerke hielten Einzug in die Produktion und verhalfen der Industrie zu gewaltigen Produktivitätszuwächsen. Doch ungeachtet der technischen Revolution, erforderte die Produktion nach wie vor ein hohes Maß an handwerklicher Präzision und Geschick. 

Der Wipperkotten am Ufer der Wupper

Noch heute prägt die Industrie die Verbundenheit technischer und handwerklicher Arbeitsschritte, welche im Laufe der über 700 Jahre alten Geschichte verfeinert wurden. In der von überwiegen klein- und mittelständischen Unternehmen geprägten Industrie paart sich angehäuftes handwerkliches Wissen mit zeitgemäßer technischer Modernisierung. Denn bis heute ist Geschick und Können der Handwerker von wesentlicher Bedeutung für die Gestalt und Qualität Solinger Produkte.

 

Zum Schutze der Herkunftsmarke Solingen und als weltweit anerkanntes Zeichen von Qualität wurde eigens die Solingenverordnung zum Schutz der Marke Solingen ratifiziert. Seither darf der Name Solingen im geschäftlichen Verkehr nur für Schneidwaren benutzt werden, die wesentlich im Solinger Industriegebiet hergestellt wurden. Die hierdurch garantiert einzigartige Produktqualität verhilft Schneidwaren „Made in Solingen“ zu einer besonderen Wertschätzung in der ganzen Welt.

Das LVR Industriemuseum

Wie Messer früher hergestellt wurden, können Sie live im LVR Industriemuseum in Solingen erleben. In der ehemaligen Gesenkschmiede Henrichs werden heute noch Messer nach alter Tradition geschmiedet, gehärtet und geschliffen.

www.industriemuseum.lvr.de/schauplaetze/solingen/