Em Solig wuort geschurt on Platt gekallt

In Deutschland wird gequatscht, geschnackt, gebabbelt oder geschwätzt. Unzählige Dialekte bestimmen den deutschen Sprachgebrauch. Dabei sind Mundarten mehr als Sprache, sie sind ein Stück regionale Identität und transportieren stets ein Stück Geschichte mit sich. In Solingen heißt das „Platt kallen“. 

De Hangkgeschmedden

www.dehangkgeschmedden.de

 

Platt huören em Radio

Bürgerfunk der Hangkgeschmedden,

jeden zweiten Sonntag im Monat um 19.04 Uhr.

Radio RSG (UKW 94,3 oder 107,9 MHz)

Entstehung der Solinger Mundart

Entstanden ist die Solinger Mundart, dass Solinger Platt, in den Solinger Messerschmieden, die die Arbeit, aber auch das kulturelle Leben in der Klingenstadt über Jahrhunderte prägten. Und weil die Arbeit der Schlieper (Schleifer) und Lieferfrauen äußerst hart war, verwundert es auch nicht, dass die Solinger Mundart eine sehr einfache und teilweise „schroffe“ Sprache ist, in der insbesondere Begriffe aus dem Arbeitsleben dominieren. Synonyme für Liebe oder Zärtlichkeiten fehlen im Wortschatz der Solinger Mundart, so Ute Schulz, ihrerseits aktives Mitglied bei den Hangkgeschmedden. Dafür war schlichtweg keine Zeit. Die Männer schufteten hart in den Kotten. Die Frauen brachten die Stahlwaren als Lieferfrauen auf den bergigen Wegen von A nach B. Das macht den „Ur-Solinger“ zu einem eher wortkargen und herberem Menschenschlag, so Ute Schulz weiter. 

© Hannelore Krebs

Die Hangkgeschmedden setzen sich seit dem Jahr 1951 für den Erhalt und die Pflege der Solinger Mundart ein. Zahlreiche Publikationen, Vortragsveranstaltungen, Kurse in Schulen sowie eine monatliche Radiosendung wurden seither initiiert. Letztere gibt ist am jeden 2. Sonntag im Monat ab 19:04 Uhr auf Radio RSG zu hören. Für ihre Verdienste um die Pflege der Mundart wurde der Gruppe 1991 der Solinger Kulturpreis der Bürgerstiftung Baden verliehen.

 

In seiner Regionalität ist die Solinger Mundart übrigens den niederrheinischen Übergangsdialekten zuzuordnen. Sie weist vor allem eine starke Anlehnung an das Ripuarische auf, welchen wir im allgemeinen Sprachgebrauch als den „Kölschen Dialekt“ kennen. Aber auch zahlreiche Einflüsse aus dem Französisch finden sich im Solinger Dialekt wieder. 

Nöuschier, Knösterpitter und Krentekacker

Auch bei der Entwicklung zur Kampagne der Solingen Messe wurde auf die Sprachkompetenz der Hangkgeschmedden gesetzt. Gesucht wurden Begriffe in Solinger Mundart, welche die Eigenschaften und die Stärken der Solinger, und der Solinger Unternehmerschaft, treffend kennzeichnen: der „Nöuschier“, der „Krentekacker“ und der „Knösterpitter“.

Der Nöüschier kennzeichnet den wissensdurstigen Unternehmer, der immer darauf bedacht ist, aus seinen Produkten etwas Besonderes zu machen. Dazu gehört auch die Leidenschaft am Tüfteln eines Knösterpitters. Und auch der Krentekacker, also einer der es immer sehr genau nimmt, bisweilen gar kleinlich ist, umschreibt nicht nur die Stärken der Solinger Wirtschaft, sondern auch den umtriebigen Einsatz der Hangkgeschmedden am Erhalt des Solinger Platts.